KRITIK

Leviticus

2026

Gesehen
09. Sept. 2026

'It Follows' durch Konversionstherapie, definitiv nicht durch christlicher Nächstenliebe.

Die brutale Prämisse allein ist schon durch Homophobie und Hirnwäsche realer Horror genug, dass es im Grunde den Übergang zum eigentlichen Horrorgenre nicht mehr benötigte. Vielmehr: 'Leviticus' hätte es womöglich besser getan, wenn er als reines, düsteres Drama bliebe und den übernatürlichen Schrecken eher subtil angelegt hätte, außerdem verbreitet Mia Wasikowska in einer Nebenrolle als Mutter schon ausreichend gefühlslose Kälte aus, dass es fröstelt. Auch weil es dann doch mehr Realität ist als eine dämonische Entität. So bleibt der (zu viel Raum einnehmende) Horrorpart recht austauschbar und dreht sich zu sehr im Kreis, zumal die Bedrohung zu eindeutig inszeniert wird. In der Wirkung ist das dann mit der Zeit weniger verunsichernd, sondern mehr vorhersehbar. Was sehr bedauerlich ist, da steckt ein fantastischer Film irgendwo drin.

Die erste Hälfte ist noch die stärkere, weil hier eine große Unbehaglichkeit durch die trostlose Industriestadt in der Pampa und dessen religiösen Gemeinschaft entfacht wird, die keine Sicherheit oder Zukunft ausstrahlt und sogar eher das Gefühl vermittelt, darin durch Verletzlichkeit und Verfolgung, schutzlos ausgeliefert zu sein. Der eindringliche Score von Jed Kurzel unterstützt diese von Unsicherheit geprägte Stimmung zusätzlich. In dem Aspekt ist der Film beachtlich eindringlich. Leider wird beim erzählerischen Part grad der Aufbau zu schnell abgehandelt und wirkt allgemein seltsam distanziert. Mehr Tiefe der Figuren zu Beginn und weniger Ausformulierugen der Gefahr gegen Ende hätten mehr Gewicht erzielt. Obwohl es definitiv den ein oder anderen Moment gibt, der sowohl rührend als auch leicht gruselig ist und die beiden Jungdarsteller glaubhaft-gut aufspielen. Wichtiges Thema immer noch, mit viel Tragik verbunden. Adrian Chiarella hat hier einen kleinen, intimen Film geschaffen, dem es nur der entscheidende Nachhall fehlt.

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